eReader Markt: Preismodelle der Zukunft

Der eReader Markt ist Bewegung. Gerade hat Vodafone mit der Meldung, eine eigene eReader Plattform im kommenden Jahr zu präsentieren, viel Aufsehen erregt. Diese Meldung dürfte die Mitarbeiter des Berliner eReader Herstellers Txtr mächtig ins Schwitzen bringen.

Der auf der Frankfurter Buchmesse groß angekündigte Txtr-Reader schafft es nur mit größter Mühe noch unter den Weihnachtsbaum einiger (weniger) Kunden. Neben der Lieferengpässe wird Txtr bald eine Antwort auf die Frage liefern müssen, wie lange eine Hochpreis-Strategie für eReader auf Dauer durchsetzbar ist.

Parallel zur Ankündigung der Vodafone-Reader Plattform kam die Meldung, dass Asus ebenfalls im März 2010 einen eBook-Reader auf den Markt bringen wird. Die Vermutung liegt nahe, dass dieser Asus der offizielle Reader von Vodafone sein wird. Bereits seit längerem liefert Asus Netbooks an T-Mobile – diese sind bereits ab 1Euro zu kaufen. Subventioniert wird dieser Preis durch einen Datentarif, mit dem man sich für 24 Monate an T-Mobile bindet. Asus hat Netbook Erfahrung, die wunderbar für die Entwicklung eines eReaders genutzt werden kann.

Auch für eBook Reader wäre ein solches Preismodell sinnvoll. Vodafone könnte damit den eReader-Markt mit einem Kampfpreis aufwecken. Ein niedriger eReader Preis wird subventioniert durch einen Datentarif. Der günstigste Vodafone-Datentarif (für Netbooks) liegt derzeit bei ca. 20Euro, die monatlichen 300MB zum Datendownload reichen für eine reibungslose Versorgung des eReaders mit digitalen Inhalten. Auch deshalb wird man bei Txtr aufhorchen. Der Txtr Reader liegt bei 319 Euro, hinzu kommen ca. 15 Euro monatlich für eine Datenflat und damit deutlich teurer als die Konkurrenz.

Die von Vodafone angekündigte eReader Plattform wird lediglich Mittel zum Zweck sein. Damit wird Vodfone Kunden binden und die Datenübertragung ankurbeln. Dies könnte ein Grund sein, warum Vodafone den Kindle-Deal abgelehnt hat. Alleiniger Zugriff auf die Amazon Plattform macht für ein Unternehmen, welches Datentarife anbietet keinen Sinn.

Spannend bleibt die Frage, wie sich die eReader Hersteller künftig aufstellen. Mittlerweile herrscht eine wahre Inflation an eReader Plattformen: Txtr.com, die Sony-eBook-Seite, Vodafone. Ob eReader Hersteller ihr Geld aus dem Verkauf von eBooks beziehen können ist unwahrscheinlich, sinnvoll sind die Plattformen zur Vernetzung der User und dadurch indirekt zur Bindung ans Unternehmen. Viele Micro-Plattformen werden nebeneinander keinen Bestand haben.
Ist Vodafone´s Weg der richtige für die zukünftige Preisgestaltung der eReader?

Ein iPhone kann man heute zum (fast) gleichen Preis wie einen eReader kaufen. Die funktionalen Unterschiede sind jedoch kaum vergleichbar. Intuitive Bedienbarkeit, Applikationen, Internetanwendungen und vieles mehr machen das iPhone zu einem tollen Begleiter. eReader müssen sich in diese Richtung weiterentwickeln, dann werden immer mehr User bereit sein, auf den eBook-Zug aufzuspringen.

Wenn die Kooperation mit einem Mobilfunkunternehmen nicht der richtige Weg ist, bleibt den Herstellern eine Zusammenarbeit mit den Buch- und Zeitungsverlagen. Amazon liefert seinen Kindle bereits in einem NewYork Times Bundle aus. Aus Kindle-Kaufpreis und dem Preis für ein Jahresabo wird ein Bundlepreis gebildet, der günstiger ist als beide Produkte separat zu kaufen. In Deutschland hindert die Buchpreisbindung eReader Hersteller zu einem solchen Bundling. Wieso gibt es noch keine eReader mit Krimi- oder Romanflatrates? Man könnte damit alle Genres bedienen und den User durch sein individuelles Leseverhalten abholen und ihm eBooks schmackhaft machen. Oder einen Volks-Reader mit einem Bildzeitungs-Abo? Bis dorthin ist es noch ein spannender Weg.

US-Verlage entdecken eBook-Lesegeräte

Über ein Online Kiosk möchte der US-Verlag Time Warner gemeinsam mit Verlagen wie Hearst und Conde Nast zukünftig kostenpflichtige Inhalte anbieten. Ziel ist es, verlagseigene Zeitschriften gemeinsam anzubieten und so auf sinkende Absatzzahlen von gedruckten Zeitschriften zu reagieren. Time Warner verliert durch die niedrigen Verkaufszahlen im Print mehr und mehr Kunden im Anzeigengeschäft und hofft durch die Digitalisierung seiner Inhalte neue Vertriebswege zu schaffen und so zusätzliche Leser seiner Magazine zu gewinnen. Zu den geplanten Inhalten zählen Zeitschriften wie Wired, Vanity Fair, Cosmopolitan oder die TIMES. Gerade Nutzer des Amazon Kindle dürften ab Mitte 2010 von diesem neuen Angebot profitieren.

Neben den Erlösen für den Verkauf der Zeitschriftentitel setzt das geplante Gemeinschaftsunternehmen auf zielgruppenspezifsche Vermarktung. Laut Netzwelt.de stehen die Verlage in Verhandlungungen mt Amazon und Apple um die Inhalte auf eBook Lesegeräten auszulieferen.

In Deutschland musste die Ausgabe von “Vanity Fair” nach bereits 2 Jahren wieder eingestellt werden. Versuche über den Vertrieb im Internet waren bisher nicht von Erfolg gekrönt. Deshalb wollen die Verlage nun gemeinsam mit einer Online-Plattform neue Erlösquellen finden, eBook-Lesegeräte könnten den Verlagen durchaus zum Erfolg verhelfen.

eBook-Shop von Barnes & Noble

Neue Bewegung im eBook-Markt. Die größte Buchhandelskette der Welt, Barnes&Noble, hat einen eigenen eBook-Shop eröffnet. Dieser listet zukünftig mehr als 700.000 eBook-Titel und wird sicher eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Amazon oder Sony. Auch auf dem Markt der eBook-Reader will Barnes&Noble zukünftig aktiv werden und kündigt gleichzeitig eine Zusammenarbeit mit dem eBook-Reader-Hersteller Plastic Logic an.

Geplant ist, dass Barnes&Noble eBooks für den Shop von Plastic Logic bereitstellen wird. Bis im nächsten Jahr der geplante eBook-Reader von Plastic Logic auf den Markt kommt, sind die Inhalte des Barnes&Noble eBook-Shops über eine spezielle Software auf PCs und mobilen Endgeräten zu lesen. Aktuell noch nicht unterstützt werden die Inhalte auf eBook-Readern wie dem Amazon Kindle oder vergleichbaren Lesegeräten. Im Februar dieses Jahres hatte der eBook-Reader Hersteller Plastic Logic bekanntgegeben, dass Fictionwise zu seinen Lieferanten für digitale Inhalte zähle. Barnes&Noble hat kurze Zeit später den eBook-Händler übernommen.

In einer Pressemitteilung erklärte Barnes&Noble, dass der eBook-Shop mit 700.000 Titeln der größte eBook-Shop Welt wird, in dem im nächsten Jahr sogar mehr als 1 Million Titel zur Verfügung stehen. Mehr als die Hälfte der verfügbaren eBooks seien jedoch Public Domain Bücher von Google. Amazon bietet in seinem Kindle-Shop ausschließlich kommerzielle Inhalte für seine Kindle Reader an. Der Barnes&Noble Shop ist im Moment nur US-Bürger zugänglich. eBook-Fans in Deutschland dürfen jedoch hoffen, dass mit dem Vertrieb der deutschen eBook-Reader von Plastic Logic der Shop auch in Deutschland genutzt werden kann.